Korrekturen

„Kindern Dinge zu erklären, ist … keine leichte Angelegenheit. Dagegen ist es leicht, die Dinge unmittelbar vorzuführen, sie zu erläutern und schließlich zu benennen. Anders ausgedrückt: da wir mit ihnen noch nicht sprechen können, so möge die Natur selber sprechen und sich ihren Augen und Ohren, ihren Zungen und Händen einprägen“
J. A. Komensky um 1630, Informatorium der Mutterschul

Oft sind konzeptuelle Vorstellungen von „Korrekturen“ eng damit verknüpft, dass den Lernenden mitgeteilt wird, dass sie einen „Fehler“ gemacht haben. Wenn dies jedoch in den frühen Phasen des Spracherwerbs geschieht, könnte dies dazu führen, dass Kinder im Alter von ein bis vier Jahren die Freude an der sprachlichen Kommunikation verlieren. Mütter und Väter erkennen dies oft intuitiv.

Es ist offensichtlich, dass Kinder ihre Muttersprache besonders schnell erlernen, da sie durch die Anerkennung ihrer Kommunikationsversuche ständige Akzeptanz für ihre Ausdrucksweise erfahren. Selbst wenn ihre sprachlichen Äußerungen noch nicht den Normen der Umgebungssprache entsprechen.

In elterlichen Gesprächsbeiträgen sind bestimmte Verhaltensweisen (sprachliche Handlungen) erkennbar, die die Funktion einer Korrektur haben. Sie können auf verschiedene Aspekte der kindlichen Sprache abzielen und in impliziter (unauffälliger) oder expliziter (deutlicher, offensichtlicher) Form auftreten. Im folgenden Beispiel sind Korrekturdialoge mit einem Kind im Alter von etwa 3 Jahren dargestellt.

KIND: M.

ALTER: 2;7,14

SITUATION: M. sieht auf dem Weg zum Spielplatz 2 Fahrräder und sagt:

KIND: Eins, zwei, Mens (Mensch) so viele Fahrrad!

ERWACHSENER: Stimmt, so viele Fahrräder.

KIND: So viel F-fräder

ERWACHSENER: Genau.

KIND: M.

ALTER: 2;7,14

SITUATION: Als M. der eben gebaute Legoturm umfällt, sagt sie:

KIND: Guck ma, mein Purm is um-e-kippt.

ERWACHSENER: Der Turm heißt das, ja

KIND: Der Turm is umkippt.

ERWACHSENER: Ja, dann stellst du ihn wieder auf.

KIND: T.

ALTER: 2;11,25

SITUATION: Als T. in einem neuen Bilderbuch auf Kühe zeigt (kreisende Fingerbewegung), äußert er:

KIND: Kuh.

ERWACHSENER: Kühe. (länger gedehnt)

KIND: Kühe.

ERWACHSENER: Ja, siehst du, die machen alle muh, die werden gemolken/…von der Kuh kriegen wir ja die Milch die bei uns in der Flasche im Kühlschrank steht/ die is von einer Kuh.

KIND: T.

ALTER: 2;11,30

SITUATION: T. gibt der Mutter die Sauerstoffflasche eines Tauchers aus einem Überraschungsei und äußert:

KIND: Taucherflasse

ERWACHSENER: Taucherflasche ja, da is der Sauerstoff drin, damit der Taucher Luft kriegt/ denn unter Wasser kann man ja keine Luft holen/ da verschluckt man sich sonst ganz doll.

KIND: H.

ALTER: 3;3,12

SITUATION: H. zeigt auf eine abgebildete Höhle in einem Bilderbuch und sagt:

KIND: Guck ma, Troffenhöhle (Tropfenhöhle

ERWACHSENER: Tropfhöhle? Tropfsteinhöhle?

KIND: Ja

ERWACHSENER: Stimmt

Langjährige Analysen von Dialogen haben gezeigt, dass Eltern nur selten und wenn überhaupt, dann erst in späteren Entwicklungsstadien explizit auf den Fehlercharakter der Äußerung hinweisen, wenn sie korrigieren. Es gibt verschiedene Arten von Korrekturen, die beobachtet werden können:

Explizite Korrekturen des Wort-Objekt-Bezuges (semantische Korrekturen):

KIND: A.

ALTER: 1;1,9

SITUATION: Kind zeigt in einem Buch auf das Bild einer Kuh und sagt:

KIND: Muh.

ERWACHSENER: Nein, keine Muh. Katze.

Implizite Korrekturen des Wort-Objekt-Bezuges (semantische Korrekturen):

KIND: C.

ALTER: 2;4,12

SITUATION: Kind zeigt auf einen Rhabarber und sagt:

KIND: Daab (Stab)

ERWACHSENER: Das ist ein Rhabarberstengel.

KIND: Barbedengel (unmittelbar nachgeahmt)

Explizite Korrektur der Lautbildung:

KIND: R.

ALTER: 2;3,23

SITUATION: Kind zeigt auf Krümel, die auf dem Tisch liegen und sagt:

KIND: Dümel

ERWACHSENER: Nicht Dümel, Krümel.

KIND: Krümel

Implizite Korrektur der Lautbildung:

KIND: B.

ALTER: 2;0,9

SITUATION: Kind zeigt auf die Haargummies im Bad und sagt:

KIND: Da, Bummi (Gummi)

ERWACHSENER: Ein Gummi

KIND: Ein Dummi (unmittelbar nachgeahmt)

Explizite Korrektur grammatikalischer Fehlbildungen:

KIND: W.

ALTER: 2;6,9

SITUATION: Kind versucht den Stuhl vom Esstisch wegzuschieben und sagt:

KIND: Ich hab deschiebt.

ERWACHSENER: Nicht deschiebt, geschoben.

KIND: Geschoben?

Explizite Korrektur der Wortbildung:

KIND: D.

ALTER: 2;9,18

SITUATION: Kind sieht einen Tannenbaum und sagt:

KIND: Da, ein Tantenbaum.

ERWACHSENER: Nicht Tantenbaum, Tannenbaum.

KIND: Tannenbaum

Implizite Korrektur der Wortbildung:

KIND: U.

ALTER: 2;8,1

SITUATION: Kind hört am Meer die Wellen rauschen und sagt:

KIND: Mama, das Wasser tauscht.

ERWACHSENER: Rauscht

KIND: Rauscht