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"...die Zeit und der Raum sind keine fertig vorgegebenen Kategorien, die in irgendeiner Weise schon vor unserer Tätigkeit und unserer Intelligenz existieren. Verlangend und handelnd in Richtung unserer Wünsche schaffen wir zugleich Raum und Zeit; wir leben und die Welt (oder das, was wir so nennen) entsteht vor unseren Augen."
Nichtsprachliche Mittel, mit denen man in einen anderen Raum und in eine andere
Zeit als die gegenwärtige verweisen kann sind: ![]() Ein interessantes Phänomen ist in der frühen Sprachentwicklung zu beobachten: Etwa zum gleichen Zeitpunkt, zu dem das Kind erste differenziertere Mittel für einen Vergangenheitsbezug gebraucht, verwendet es auch neue sprachliche Mittel für entferntere Orte. Einige wichtige sprachliche Mittel für einen Raum- und Zeitbezug sind:
Zeit- und Raumbezugsmittel sind Kernelemente der kommunikativen Kompetenz. Die Bedeutung dieser Mittel wird besonders deutlich, wenn man sie aus den alltagssprachlichen Äußerungen herausnimmt. Das Mitgeteilte wird hochgradig vieldeutig oder völlig unverständlich. Die ersten sprachlichen Bezüge auf zeitlich nicht Gegenwärtiges verwendet das Kind
etwa in der Mitte des 2. Lebensjahres. Meist sind es sog. Aktionswörter, die es im
Zusammenhang mit Vorgängen des Verschwindens von Gegenständen, Weggehen von Personen
oder Aufhören eines Vorganges oder Ablaufes gehört hat. Für deutschsprachige Kinder ist
es häufig "alle alle" und/oder "weg", für englischsprachige Kinder
"gone". Etwa im letzten Drittel des zweiten Lebensjahres erscheinen erste
Adverbien der Wiederholung ("nochmal", "wieder"), da das Kind in
dieser Zeit besonders Gefallen am Wiederholen eigener effektvoller Handlungen und von
anderen ausgeführten Aktionen hat. Mit etwa 3 Jahren beginnt es, Zeitadverbien wie
"gestern" und "morgen" zu verwenden. Aber bis diese Zeitadverbien
semantisch korrekt gebraucht werden, vergehen etwa zwei weitere Jahre. So kommt es häufig
vor, dass das Kind am Nachmittag ein Ereignis am Vormittag zeitlich mit
"gestern" einordnet. In der nachfolgenden Abbildung ist die Entwicklung der
kognitiven Grundlagen für sprachlich abgebildete Zeitbezüge dargestellt. ![]() Mit etwa 6 Jahren kann das Kind folgende Relativität verstehen: "Morgen sagen wir zum heutigen Tag gestern.". Mit etwa 9 Jahren besitzt das Kind ein Zeitkonzept, das es ihm ermöglicht, zwei zeitgleiche Ereignisse in verschieden entfernten Räumen als zeitgleich auf einem objektiven "Zeitstrahl", z.B. der Uhrzeit, einzustufen. Die Zeitbezugsmittel sind die wichtigsten sprachlichen Mittel, um Ereignisse, Vorgänge und Handlungen in Form von Mitteilungen, Berichten, Beobachtungsschilderungen, Erzählungen u.a. in ihrer zeitlichen Lokalisation und Abfolge korrekt darzustellen. Diese Mittel hört das Kind in der sprachlichen Interaktion mit seinen engsten Bezugspersonen. Hier erfährt es auch, wie diese Mittel eingesetzt werden, d.h. wie genau etwas zeitlich präzisiert wird, welche Dinge der Vergangenheit besonders erzählwürdig sind, welchen Personen man was erzählt, usw. Damit sind sie auch grundlegende Bedingungen für die mit der Identitätsentwicklung so eng verbundene narrative Kompetenz. Zum Anfang dieser Seite
Diese Seite ist Bestandteil des Informationsangebotes "Die frühe Sprachentwicklung des Kindes" http://www.mutterspracherwerb.de Autor: Bernd Reimann © 1998-2010 |