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"Das sprechenlernende Kind ist ebensowenig eine bloße Wiederholungsmaschine wie ein souveräner Sprachschöpfer; sondern nur im Zusammenspiel von Nachahmung und Spontaneität kommt seine Sprachentwicklung zustande."
Das Nachahmen von gehörter Elternsprache ist eine auffällige
Erscheinung im alltäglichen Dialog mit dem 2- und 3jährigen
Kind.
Die Nachahmung ist jedoch kein einheitliches Phänomen. Sie tritt
in
bestimmten Altersabschnitten unterschiedlich intensiv auf, und es gibt
verschiedene Formen von Nachahmungen.
Die echohafte Sofortnachahmung ohne Bedeutungserfassung eines gehörten Wortes oder Satzteiles kann als die "Urform" betrachtet werden. Sie ist bereits ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zu beobachten. Das Verstehen erschöpft sich in lautem Nachsprechen. Mit zunehmendem Aufbau lexikalischer Bedeutungsstrukturen im Sprachgedächtnisses in Form sog. semantischer Netzwerke wird das Gehörte inhaltlich verstanden und ggf. leise - über die innere Sprache - nachgesprochen, bis die Bedeutungsstruktur identifiziert ist. Dies vollzieht sich jedoch in äußerst kurzen Zeiträumen. Analysen kindlicher Nachahmungsaktivitäten lassen auf folgende Entwicklungsabfolge schließen: 1.PHASE (ab etwa 1;0): Unmittelbare Sofortnachahmung
2.PHASE (ab etwa 1;9): Nachahmungen mit Zeitverzug In diesem Entwicklungsabschnitt lässt sich zusätzlich eine Nachahmung mit Zeitverzug beobachten. Zwischen gehörter Modelläußerung und ihrer Nachahmung liegt eine Latenzzeit von etwa 1-5 Sekunden. Dies weist offensichtlich auf erste bedeutungsanalytische Prozesse nach der Wahrnehmung hin.
3.PHASE (ab etwa 2;4): Fragende Nachahmung, Nachahmung mit hohem Zeitverzug und Nachahmung mit "eigenen Komponenten" Ab diesem Altersbereich werden die nachgeahmten Wörter häufig mit einer Frageintonation - im Sinne der Frage "Was bedeutet dies?" - versehen. Es kommen auch Nachahmungen vor, deren Modell vor längerer Zeit gehört wurde (Minuten, Stunden und sogar Tage).Weiterhin kommen Formen vor, in denen Teile aus der Modelläußerung übernommen werden aber mit bereits bekannten, meist lautähnlichen Wörtern assoziiert werden. Dabei wird auch die Wortfolge umgestellt.
Diese Seite ist Bestandteil des Informationsangebotes "Die
frühe Sprachentwicklung des Kindes"
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