Sozialisation im Gleichnis - Das Höhlengleichnis1

Man denke sich, wie Menschen in einer höhlenartigen Behausung sitzen. Sie sind dort von Kind auf an Schenkeln und Hals gefesselt. Sie können nur die Höhlenrückwand sehen und sich nicht zum Höhleneingang umdrehen. Hinter dem Eingang brennt ein Feuer, dessen Schein der Höhle Licht gibt.
Zwischen Höhle und Feuer läuft eine Brüstung, wie sie Puppenspieler vor ihren Zuschauern benutzen. Auf dieser Brüstung führen Leute allerlei menschliche Figuren und Tiere aus Holz oder Stein vorüber, wobei Worte gesprochen werden oder nicht.
Die Gefangenen können nur die Schatten von sich und dem Vorübergetragenen sehen. Die Schatten sind für sie das "Seiende". Wenn sie die Stimmen hören, meinen sie, die betreffenden Schatten sprächen.
Würde einer von seinen Fesseln gelöst und zum Licht geführt, würde ihn das schmerzen. Er würde nicht glauben, dass er jetzt näher am "Seienden" sei und alles wahrer oder richtiger sähe. Er würde vielmehr zu seinen Schattenbildern (zum "Gewisseren") zurückkehren.

1Nach Empedokles (geb. um 490 v.u.Z.), Arzt und Naturforscher, benutzte Gleichnisse und Analogieschlüsse für die Darlegung und Begründung gesellschaftlicher Zusammenhänge. In: Kranz, W. (1986): Die griechische Philosophie. Sammlung Dietrich, Dietrich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig


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